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Wenn Blogs austauschbar werden. Und damit überflüssig.

Wenn ich in Suchmaschinen recherchiere, stolpere ich sehr oft über Blogs. Früher habe ich mich darüber gefreut. Heute schwant mir Übles.

Und meist werde ich bestätigt. Gefühlt 8 von 10 „privaten“ Blogs liefern mir geistigen Unfug, und dieses Wort ist noch milde gewählt. Warum machen sich Menschen die Mühe, massenhaft Ansammlungen nutzloser Tipps bei Google zu platzieren? Ganz einfach. Weil sich damit Geld verdienen lässt.

Der nette Servicelink

All diese „Blogbeiträge“ sind mit netten Servicelinks zu Amazon und anderen Unternehmen garniert. Verweise, die natürlich nicht als das gekennzeichnet sind, um was es sich in Wirklichkeit handelt: Um Werbung. Das funktioniert so: Je mehr Dumme diese Links klicken, umso mehr freut sich das Bankkonto der „Blogger“. Diese werden direkt für das Unterbringen der Links bezahlt (Link-Kauf), oder erhalten eine Provision für jede durch den Link erfolgte Transaktion (In der Fachsprache Affiliate Marketing genannt.)

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Was Hate Speech mit künstlicher Reichweite zu tun hat #rpTEN

Politischen Botschaften mehr Gewicht zu verleihen, indem man mit künstlicher Social-Reichweite arbeitet, das gehört längst zum Alltag.

@kuebra hielt auf der re:publica eine beeindruckende Session zum Thema Hate Speech. Diese zeigt anschaulich, wie sehr virtuelle Gewalt den Alltag der Betroffenen beeinträchtigt. Und wie groß das Problem geworden ist.

Zehn Accounts für eine Meinung. Und manipulierte Timelines.

Speaker und Besucher der #rpTEN waren sich einig, dass viele Trolle vom rechten Rand erstaunlich professionell agieren. Sie erhöhen ihre digitale Schlagkraft noch zusätzlich – mit künstlicher Reichweite:

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Und wer kontrolliert den Datenjournalismus? #panamapapers

Zunächst einmal: Die Enthüllungen von #panamapapers sind eine großartige Chance, mit Daten neuen Schwung in einen Journalismus zu bringen, der von vielen Seiten totgeredet wird. Und sie werden dabei helfen, das Format auch in kleineren Projekten anzuwenden, etwa auf lokaler Ebene. Doch Datenjournalismus birgt auch Risiken.

Ein journalistischer Beitrag ist immer nur so gut, wie seine Recherche beziehungsweise seine Quellen. Dieser Erkenntnis gilt für den Datenjournalismus umso mehr.

Von der Fehlinterpretation bis hin zur bewussten Manipulation

Wer selbst schon einmal im Umfeld von Big Data, Datenbankanalysen, Data Mining und Business Intelligence gearbeitet hat, der weiß, wie viele Fallstricke dabei lauern. Heruntergebrochen auf den „neuen“ Journalismus sind diese – beispielhaft und sehr vereinfacht dargestellt:

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Kolumnen, Glossen, Kommentare… Als abgegrenzte journalistische Ausdrucksformen scheinen sie aus der Mode zu geraten.

Heute bestehen Zeitungen, egal welcher Couleur, fast nur noch aus Meinung. Das Trennungsgebot ist aufgehoben. Durch das Netz werden aus Überzeugungen Tatsachen.

Buch: Das gekaufte Web

Was wir online lesen und sehen, auf Webseiten, in Blogs und sozialen Netzwerken, das ist immer öfter verfremdet und manipuliert. Mein neues Buch Das gekaufte Web zeigt die unterschiedlichen Formen der Beeinflussung auf.

Gefälschte Inhalte werden genutzt, um versteckte Werbung zu platzieren und Einnahmen zu generieren, aber auch um die öffentliche Meinung zu Gunsten von Interessensverbänden und der Politik zu steuern. Über gezielte Desinformation, versteckte Propaganda, gekaufte Google-Platzierungen und vieles mehr wird der Nutzer zum Spielball auf diesem Milliardenmarkt. Und selbst die großen Onlinemedien mischen mit.

»Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden müssen«

Neue Technologien der digitalen Welt befeuern den Trend zu rein künstlich generiertem Content. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir uns entscheiden müssen: Zwischen einem „freien“ oder einem von kommerziellen Interessen beherrschten World Wide Web.

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Egozentrik wird uns im Zeitalter der Social Media Kommunikation nicht selten antrainiert.

Es ist schon erstaunlich, wie oft wir Postings bevorzugen, die – bewusst oder unbewusst – „optimiert“ sind. Auch das verfälscht Meinungen.

#Gauchogate: (Mit) inszeniert von klickgetriebenen Onlinemedien

Die Weltmeister singen ein dümmliches Liedchen vor dem Brandenburger Tor, halb Deutschland diskutiert darüber. Als Grund für die Skandalisierung wird ein übermoralisch-verzerrtes Weltbild der (Online-) Medien ausgemacht. Doch ist das der wirkliche Grund für die nicht enden wollende Berichterstattung?

Gauchogate ist ein gutes Beispiel, wenn es um aufgebauschtes Storytelling – oder besser Story-Making – durch Onlinemedien geht, die auf der Jagd nach Klicks sind. Klicks, das bedeutet in diesem Zusammenhang: Möglichst viele Seitenaufrufe zu generieren.

Anhand von Spiegel Online (SPON) lässt sich der Effekt verdeutlichen: Dort stand der Beitrag „Siegestrunkene Nationalspieler verhöhnen Argentinier“ am Veröffentlichungstag meistgelesen auf Platz 1 der SPON-Charts. Logisch, dass die Redaktion mit neuen, darauf aufbauenden Beiträgen nachlegte, und nachlegte, und nachlegte. Es wurden alle Register gezogen.

Kurzfrist- schlägt Langfrist-Erfolg

Das alles feuerte die Diskussion immer weiter an, durch alle sozialen Netzwerke fegte der Sturm. (Autor und Blogger Misha Anouk bezeichnet diesen Prozess in einem Beitrag als „Social Reaction Farming„.) Wovon wiederum die ursprünglichen Artikel profitierten. Andere Web-Medien handhaben dies ähnlich, schließlich bringt eine solche Vorgehensweise Reichweite und damit Geld.

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Robo Content

RoboContent, Native Advertising & Big Data: Die perfekte Online-Werbemaschine

Die aktuellen Netz-Themen Big Data, Robo-Content und Native Advertising können einen Traum der Werbebranche wahr werden lassen: Vollpersonalisierte, automatisch generierte Anzeigenformate, die im harmlosen Kleid redaktioneller Beiträge daherkommen.

Ein kleines abstraktes Beispiel soll verdeutlichen, was dies für unseren Alltag bedeuten wird. Nehmen wir einmal an, eine Person X ist auf der Suche nach einem Nachhilfe-Anbieter für den Sprössling. X ist zudem

  • Spracheninteressiert
  • Wohnt in Berlin
  • Hat ein sehr gutes Einkommen
  • Liest am liebsten Onlinemagazin Z
  • Und dies üblicherweise am späten Abend gegen 19 Uhr, wenn er/sie von der Arbeit nach Hause kommt

Just an diesem Abend beginnt der Bildungsteil des Lieblingsmagazins mit einem Beitrag darüber, wie man die Kleinen außerschulisch fördert, und worauf man bei der Auswahl eines Nachhilfeinstituts achten sollte. Selbst der Filialleiter eines Anbieters in Berlin wird in dem Beitrag zitiert. Wie daraus hervorgeht handelt es sich nicht gerade um das günstigste Institut, dafür legt es großen Wert auf die Förderung von Fremdsprachen. Genau danach hat X im Netz schon seit längerem gesucht. Alles Zufall?

Der perfekte Wolf im Schafspelz

Derzeit entwickeln sich drei Online-Technologien sehr rasant, welche diesen Zufall kalkulierbar machen. Miteinander kombiniert führen sie zu einem wichtigen Onlinewerbeformat der Zukunft. Die drei Technologien – jeweils sehr vereinfacht dargestellt – sind:

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Bitte keine Werbung

Nicht gekennzeichnete Werbeformate bei Spiegel Online: Sündenfall oder „alles halb so wild“?

Dass es viele Blogger mit der Kennzeichnung von Werbelinks nicht so genau nehmen und damit ihre Leser manipulieren, das ist schlimm genug. Doch Spiegel Online? Eine kleine Chronik des Piksens in ein Wespennest.

Kurz zur Ausgangslage: Spiegel Online (kurz: SPON) setzt – wie viele andere Portale auch – auf sogenannte Affiliate-Links, in diesem Fall von Amazon. Wird ein neues Buch von der Redaktion vorgestellt, so verlinkt SPON im oder bei dem Beitrag auf das passende Produkt im Amazon-Shop. Die Einbindung solcher Verweise ist kein netter Service, sondern ein Geschäftsmodell: Kauft der Leser das Buch, so erhält das verweisende Portal eine Provision. Als normalsterblicher Nutzer kann man Affiliate Links nicht von ganz „normalen“ Verweisen unterscheiden.

Um Missbrauch und verdeckter Schleichwerbung vorzubeugen, müssen in Deutschland Werbelinks eindeutig als „Anzeige“ gekennzeichnet werden, wenn eine finanzielle Gegenleistung erfolgt. Genau mit dieser Kennzeichnung hat es SPON bislang nicht sehr ernst genommen. Das Portal zeigt seinen Lesern also nicht eindeutig, wo der redaktionelle Teil aufhört und wo Werbung anfängt – das ist aus guten Gründen nicht erlaubt (Siehe den Pressekodex, dort Ziffer 7).

Ganz unabhängig davon stellt sich die Transparenz-Frage: Darf man von einem großen Medienhaus, das sich selbst als Hüter der Gerechtigkeit sieht, nicht eine sehr deutliche Kennzeichnung erwarten? Ich weiß, dass sich nicht wenige (selbst durchaus bekannte) Blogger genau einer solchen Kennzeichnung zu entziehen versuchen. Und dies mit teils haarspalterischen Argumenten, wie sie in diesem Beitrag genannt werden. (Der dortige Blogautor führt diese lediglich auf, es sind also nicht seine Argumente.)

Redaktionelle Buchempfehlung versus Werbung

Schauen wir uns die bisherige Vorgehensweise einmal an, anhand eines Beispiel-Artikels bei Spiegel Online. In diesem Fall – einer Buchbesprechung – findet sich ganz am Ende der folgenden Verweis zum besprochenen Werk:

Amazon Affiliate Buchtipp bei Spiegel Online

Den so titulierten „Buchtipp“ aus der Redaktion kann man in der allseits bekannten Online-Buchhandlung aufrufen, über den Link „einfach und bequem direkt bei Amazon bestellen“. Das klingt wie eine neutrale Empfehlung, quasi eine Ergänzung zur Rezension. Oder versteckt sich doch mehr dahinter? Denn bei den Verweisen handelt es sich um Affiliate Links. (Wie man diese erkennen kann, dazu später mehr.)

Meines Erachtens täuscht eine solche Vorgehensweise die Leser, denn:

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Michael Firnkes

Buchautor, Blogger, Informatiker. #Netz #Medien #Zukunft #GekauftesWeb

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